Historie

Unsere Historie

Die Anfänge
Die Gotteswinter und Aumaier GmbH ist heute die älteste Druckerei Münchens und kann seit 2012 auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken – ein Jubiläum, das im Stillen begangen wurde. 1862 erhielt der Firmengründer Joseph Gotteswinter die „Concession im Namen seiner Majestät“ Max II. Joseph zum Betrieb einer Buchdruckerei und bezog Räume in der Theatinerstraße 18. Gedruckt wurde damals noch wie zu Zeiten Gutenbergs; Schriftsetzer fügten per Hand die Bleilettern aneinander, die Papierbögen wurden angelegt und auch die Druckpressen wurden manuell bedient. 1906 schließlich wurde die erste Satzmaschine angeschafft – die Linotype von Otto Mergenthaler war 1886 erstmals öffentlich vorgestellt worden. Bis dahin waren bei Gotteswinter überwiegend Formblätter, Rechnungen, Briefbögen und Visitenkarten gedruckt worden – das Spektrum erweiterte sich nun merklich. 1907 kam mit der „Königlich Bayerischen Hof-Theater-Intendanz“, der heutigen Bayerischen Staatsoper, ein Werkvertrag zustande, der noch heute besteht. Im Sommer 2012 wurde das Magazin „Max Joseph“ der Bayerischen Staatsoper bei den Lead Awards mit dem Titel „Magazin des Jahres 2012“ ausgezeichnet. Auch diesen Druck produzierte der Grafische Betrieb J. Gotteswinter, der nach einer mittlerweile über hundert Jahre währenden Geschäftsverbindung noch immer einen Teil der Druckerzeugnisse der Bayerischen Staatsoper produziert.

Die zweite Generation
1912 starb der Firmengründer Joseph Gotteswinter im Alter von 89 Jahren, die Druckerei wurde von seinem Sohn Joseph Gotteswinter jun. (geb. 1864) übernommen. Mit Hilfe der tatkräftigen jungen Kontoristin Christine Tiefenbacher, die 1915 als 19-jährige Handelsschülerin in die Firma eintrat, gelang es, die Druckerei durch die schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahre zu lenken. Christine Tiefenbacher, die die Geschicke der Firma später selbst in die Hand nehmen sollte, erhielt 1923 Prokura. 1932 erwarben sie und ihr Mann Alfred Morgenroth 25% der Druckereianteile.
1935 starb Joseph Gotteswinter jun. Doch die zwei Frauen, Christine Morgenroth und die Witwe und Erbin Karolina Gotteswinter, setzten auf Expansion und die Erweiterung des Geschäftsbereichs. 1936 erwarb die Firma für 3385 Reichsmark eine Hochleistungs-Super-Heidelberger-Schnellpresse und konnte bald erstmals einen Auslandsauftrag akquirieren. Auch ein Ausbau der Druckereiräume war angedacht, doch bereitete der Krieg diesen Plänen ein Ende. Zahlreiche Mitarbeiter wurden zur Wehrmacht eingezogen und trugen nun Uniform, ab 1942 begannen die Luftangriffe auf München. Das Gebäude in der Theatinerstraße 18, in dem sich die Druckerei seit 81 Jahren befand, wurde im Frühjahr 1943 erstmals von Bomben getroffen. Mit der Zunahme der Luftangriffe im Juli 1944 verlagerten Christine Morgenroth und ihre Mitarbeiter ältere Maschinen, Setzregale, Schriftkästen und Materialien nach Hochmutting bei Oberschleißheim. In München wurde ein Notbetrieb aufrechterhalten. In der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 1945 fiel das Haus in der Theatinerstraße dem Bombenhagel vollständig zum Opfer.

Neubeginn
Erst 1946 gelang es der unermüdlichen Christine Morgenroth von den amerikanischen Militärbehörden die Lizenz für eine Druckerei zu erwerben. Zugleich übernahm sie gegen eine monatliche Leibrente die Firmenanteile von Karolina Gotteswinter. Startkapital des Neubeginns waren die seinerzeit nach Hochmutting ausgelagerten Maschinen und Schriften; schwer beschädigte Maschinen wurden aus dem Schutt in der Theatinerstraße geborgen und Teile soweit möglich instand gesetzt. Neue Räume fand man in der Gollierstraße 46d. Hier blieb die Druckerei, die nach Anlaufschwierigkeiten bald vom Wirtschaftswunder profitieren sollte, bis Ende der fünfziger Jahre. Die beengten räumlichen Verhältnisse im Westend wurden jedoch zunehmend zu einem Problem. Da sich das Büro seit Kriegsende vier Kilometer entfernt in der Von-der-Tann-Straße befand, waren die täglichen Arbeitsabläufe stark beeinträchtigt. Obwohl sich das kinderlose Ehepaar Morgenroth seit einigen Jahren um eine Nachfolge für das Unternehmen bemühte, investierten sie. 1957 erwarben sie ein Grundstück in der Amalienstraße 11, und innerhalb eines Jahres entstand dort ein Neubau, der mit seinen hellen freundlichen Büroräumen und gut ausgestatteten Produktionsräume allen Anforderungen eines modernen Druckereibetriebs entsprach.

Weichenstellungen
Als Alfred Morgenroth 1962 im Jahr des hundertjährigen Bestehens mit 63 Jahren starb, waren bereits die Neffen Christine Morgenroths, Alfred Bussotti und William Tiefenbacher, in den Betrieb eingetreten. Alfred Bussotti absolvierte eine Ausbildung zum Buchdrucker und erwarb an der Akademie für das Graphische Gewerbe das Diplom als Buchdruckermeister; William Tiefenbacher machte einen Abschluss als Ingenieur für Graphische Betriebstechnik. 1972 berief Christine Morgenroth ihre beiden Neffen in die Geschäftsführung, sie selbst war bis 1975 in der Druckerei tätig. In dieser Zeit vollzog die Firma J. Gotteswinter allmählich die Umstellung vom traditionellen Hochdruck auf das Offsetdruckverfahren. Die Offsetmaschinen wurden von Generation zu Generation größer und raumgreifender, sodass das Gebäude in der Amalienstraße schon in den achtziger Jahren an seine Grenzen stieß. Nach dem Ausscheiden William Tiefenbachers aus dem Unternehmen 1985 machte sich Alfred Bussotti deshalb an die Planungen für einen weiteren Umzug. 1989 übersiedelte die Druckerei J. Gotteswinter an ihren heutigen Firmensitz am Joseph-Dollinger-Bogen 22. Alfred Bussotti stellte die Weichen, dass der Druckbetrieb auch weiterhin modernsten Anforderungen entsprechen konnte, und leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod im Jahre 1999; die Familie Bussotti ist noch immer als Teilhaber in das Unternehmen eingebunden. Die Geschäftsführung der GmbH J. Gotteswinter übernahm 2002 Helmut Gahse, der heute 51% der Anteile am Unternehmen hält.

Moderne Ausrichtung
Helmut Gahse hat die Druckerei J. Gotteswinter nach seinem Eintritt grundlegend reformiert und so selbst dafür gesorgt, dass sich der grafische Betrieb heute in einer Branche behaupten kann, die wie wenig andere einem globalen Wettbewerbsdruck, Preiskampf und durch die Digitalisierung rasanten und radikalen Veränderungsprozessen unterworfen ist. Das Rezept dieser nachhaltigen Entwicklung, mit dem selbst in schwierigen Zeiten Umsatzsteigerungen erzielt werden konnten, liegt in der klaren Ausrichtung hin zu einer intensiven Kundenbetreuung. Im Mittelpunkt stehen neben der intensiven Beratung kurze Herstellungszeiten, hohe Flexibilität und ein unmittelbar auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse zugeschnittenes Leistungsportfolio, das bis in den Distributionsbereich reicht.

Weichenstellung in die Zukunft 
Im Jahr 2013 werden bei der J. Gotteswinter GmbH die Weichen in die Zukunft des Unternehmens gestellt. Ein Teil der insolventen Druckerei Alfred Aumaier aus Unterhaching wurde übernommen, sodass aus den beiden bisherigen Unternehmen die neu firmierende Gotteswinter und Aumaier GmbH wurde. Die Geschäfte werden weiterhin von Helmut Gahse als Geschäftsführer und Teilhaber geführt. Das bis dahin eher „unscheinbare“ Druckhaus wird so zu einem Unternehmen mit gut 75 Mitarbeitern und gehört damit zu den großen Münchner Druckereien. Zeitgleich haben wir ein Investitionsprogramm zur Modernisierung und Erweiterung unseres Maschinenparks gestartet. Die neue Ausrichtung setzt die hohen Qualitätsstandards und zugleich die ausgeprägte Kundenorientierung bei gleichzeitigem Traditionsbewusstsein fort.